So viel Freiheit wie möglich, so viel Grenzen wie nötig – Hundehaltung in unserer Zeit!

Sie sind vielleicht auf dieser Seite gelandet, weil sie einen “idealen Familienhund” suchen?! Falls Sie hier eine Rasseliste erwarten, sind Sie leider nicht ganz richtig?!

Wenn Sie aber verstehen wollen, was einen Hund auch zu einem “Familienhund”macht und das die Gründe hierfür meistens rasseunabhängig sind, dann werden Sie am Ende dieses Kapitels einen vielleicht für Sie wichtigen Schritt weiter sein.

Was ist also ein Familienhund?

In der Literatur und auch im Internet werden hier keine großen Unterscheidungen gemacht, der Bogen zieht sich über so gut wie alle Rassen.

Wenn Sie sich mal die Mühe machen, bei Google eine Suchanfrage mit “Familienhund” oder sogar “idealer Familienhund” einzugeben, werden Sie viele Ergebnisse erhalten, die einen weiten Bogen über alle Rassen schlagen, ob Irish Wolfshound, Samoyede, Cattle Dog, der Labi, Retriever oder eben der Parson Russell Terrier – um nur einige hier zu nennen. Auf einmal ist so gut wie jede Rasse auch ein idealer Familienhund – auf den ersten Blick ist das keine große Hilfe.

Bei mir kam dann irgendwann die Frage auf: Was macht einen, in einer Familie lebenden, zufriedenen Hund aus?

Die meisten Familien wünschen sich einen, auch mit Hund, weiterhin harmonischen Alltag. Der Hund sollte möglichst zu Hause ruhig sein, nichts anstellen, vielleicht sogar wenig haaren, gut und vorsichtig zu den Kindern und draußen ein fröhlicher, gut hörender Begleiter sein. In dieser Aufzählung mag vielleicht klar werden, dass kein Hund so perfekt geboren werden kann. Er muss erst lernen, sich den Anforderungen und Alltäglichkeiten anzupassen, er braucht Regeln, Bezugspersonen und einen guten Übersetzer in seine Sprache.

Sind Rassehunde überwiegend durch Spezialistentum entstanden, ist dies heute nicht mehr oder kaum noch gefragt. Die meisten Hunde werden als Statussymbole, Familienergänzung, “Couchpotatoes” usw. und oft nach ihrem netten Äußeren angeschafft (denn auch Rassehunde unterliegen Modetrends) bzw. gehalten, oftmals ohne sich weitere Gedanken über Ursprünge und Talente der Rasse zu machen. So dass nur ein Bruchteil aller in Deutschland lebenden Hunde jagdlich, im Sport oder z.B. als Diensthund geführt wird, – also in der ehemals für ihn vorgesehenen oder abgewandelten Aufgabe. Trotzdem trägt aber jeder Hund noch die ihm über lange Jahrzehnte und oft auch Jahrhunderte mitgegebene Genetik in sich, die ihn zu einem Spezialisten machen.

Und nur weil IHR Hund dann mit Ihnen in der Großstadt oder einer Wohnung lebt, vergißt er nicht, was er ist.

So dass es nicht verwunderlich ist, wenn ein Dackel gerne jagd, ein Retriever seine Ohren auf Durchzug stellt, wenn er Wasser riecht, ein Rotti seine Familie schützt und ein Jackie energiegeladen und selbstbewußt seine Ziele verfolgt. Dafür wurden sie gezüchtet…

Vor diesem Hintergrund wird dann schnell klar, warum TV-Sendungen über Hundeflüsterer und – Schulen boomen und Hundetrainer einen regen Zulauf haben. Viel zu oft klaffen Wunschdenken und Realität zwischen Hund und seinen Besitzern auseinander, Missverständnisse sind an der Tagesordnung und schwuppdiewupp ist die Vorstellung von Harmonie und Idyll echter Arbeit gewichen…. an deren Ende dann aber genau das stehen kann, was wir uns vorher gewünscht haben.

Die Ursachen mögen vielfältig sein. Ein erster Punkt ist sicherlich, die nicht funktionierende Kommunikation. Weitere mögliche Ursachen sind dann häufig mangelnde Auslastung und Beschäftigung. Oft wurden Hunde auch nicht ausreichend geprägt, sind aus “zweiter Hand” oderoderoder, wodurch auch oft Verhaltensauffälligkeiten entstehen können, über deren Vorgeschichte man oft nichts weiß. Hierauf können wir leider an dieser Stelle nicht eingehen, da es den Rahmen sprengen würde.

Wie kann man also vorgehen und worüber müssen Sie sich bei der Anschaffung im klaren sein?

Für mich ist entscheidend, dass jeder sich vor der Anschaffung eines Hundes über dessen ursprünglichen Aufgaben informiert sein sollte. Temperament, Bewegungsdrang, Größe, typische Charakterzüge können in Rassebeschreibungen nach gelesen werden.

Haben Sie sich für eine passende Rasse entschieden, stellt sich ja die Frage: Wie wird aus dem entzückenden Welpen der ideale Familienhund?

Das liegt ganz bei Ihnen!!! Der Hund ist ein Rudeltier und damit sehr anpassungsfähig. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Sie in der Lage sind, klare Regeln eines Rudels vorzugeben, zu verstehen und natürlich auch ihrem Rudel-/Familienmitglied verständlich zu machen. NIEMALS können Sie erwarten, dass sie der Hund einfach nur so versteht, denn Hunde sprechen unsere Sprache nicht, das ist die schlechte Nachricht, die gute Nachricht ist allerdings: Hunde sprechen überall auf der Welt ein und dieselbe Sprache – wir müssen sie nur lernen.

Darin liegt dann auch der “Pferdefuss”. Viele Familien der heutigen Zeit schaffen sich einen Hund an und sehen diesen als “Familienmitglied”, das Zusammenleben wird unter stark vermenschlichten Aspekten betrachtet. Gemäß der individuellen Lebensumstände (Kinder, Haushalt, Beruf) ist dann aber oft nicht so viel Zeit speziell für den Hund übrig, der Hund läuft dann häufig “mit”.  Dieser Situation werden sich alle Hunde – je nach Temperament und Wesen – in der einen oder anderen Form anpassen.

Als Beispiel für eine mögliche (negative eskalierte) Situation zitiere ich hier aus einem Thread, der vor einiger Zeit in einem Forum auftauchte:  “….. Ich wollte nicht 24 Stunden am Tag dem “Gott Hund” huldigen, er sollte sich als FamilienMITGLIED einsortieren, aber das reicht ihm wohl nicht, er möchte die uneingeschränkte Aufmerksamkeit und holt sie sich.
Ich gebe zu, momentan ist unser Zusammenleben nicht schön. Ich habe das Gefühl, ich werde ihm nicht gerecht, aber es kann auch nicht sein, dass sich ich mein Leben komplett aufgebe, um von morgens bis abends für den Hund bereitzustehen – er ist ja schließlich nur ein Teil der Familie und nicht die Hauptsache……”

Wie ich später, in der Weiterverfolgung des Beitrages erfuhr, wurde der Hund abgeschafft und, wir hoffen sicher alle, in gute Hände.

Wobei auch diese Familie sicherlich mit den besten Absichten den kleinen Wicht in die Familie holte, aber ab dann schien vieles schief gelaufen zu sein.

Gibt es denn nun Rasseempfehlungen?! Nein, nicht wirklich… Es gibt aber Ausschlußkriterien, z.B. auch heute noch (fast) reine Gebrauchshunderassen, wie der Malinois, sollten vielleicht nicht als Familienhund auserkoren werden, das würde diese lebhafte und arbeitsfreudige Rasse hoffnungslos unterfordern und Sie wahrscheinlich überfordern.

Je lebhafter also eine Rasse vom ursprünglichen Grundtemperament ist, je stärker ihre Veranlagung zum Arbeiten noch spürbar, um so höher ist auch der Anspruch an SIE.

Der Parson z.B. ist ein (durchaus harter) Arbeitsterrier, der seine Passion ebenfalls in der Etagenwohnung nicht vergißt. Artgerecht gehalten und erzogen, kann er aber der ruhigste Vertreter zu Hause sein… und dies sind immer die Voraussetzungen, daran geht einfach nichts vorbei. Es gibt keinen Welpen und später erwachsenen Hund mit der “Rundum-Sorglos” – Garantie, Sie sind immer gefordert, Sie müssen viel dazulernen und es kommt Arbeit auf Sie zu… Die gute Nachricht dabei ist, je mehr Sie sich beschäftigen, je mehr Sie über Kommunikation und arttypisches Verhalten lernen, um so enger und schöner wird der Kontakt zwischen Ihnen und Ihrem Hund.

Legen Sie deshalb die Messlatte auch bei sich selbst hoch an:

  •  Haben Sie Erfahrung mit der Erziehung von Hunden?
  •  Haben Sie die Möglichkeit sich Rat und Hilfestellung bei anderen Hundebesitzern zu holen.
  •  Ganz wichtig: Haben Sie Zeit?!
  •  Sind Ihre Kinder nicht mehr zu klein, so dass der Hund, die Kinder und Sie evtl. überfordert wären, mit dem richtigen Umgang.
  •  Wie wohnen Sie?

Seien Sie an dieser Stelle ehrlich zu sich selbst. Ein junger Hund erfordert im ersten Lebensjahr enorm viel Arbeit und zeitlichen Aufwand (Wobei die Erziehung nie aufhört und Beschäftigung immer sein muss, vieles wird aber leichter und selbstverständlicher). Er kann nicht nur nebenbei laufen, denn dann schleichen sich auf schnellstem Wege Unarten ein, die dem ungeübten Auge oft nicht auffallen und der Aufschrei erst erfolgt, wenn die Situation unüberschaubar aus dem Ruder läuft. Deshalb ist es so wichtig, sich vorher darüber im klaren zu sein, was auf Sie zukommen kann, die Realität sieht dann sowieso noch mal ganz anders, als erwartet aus.

Fazit: Es gibt keine idealen Familienhunde, wir machen sie zu dem, was sie sein sollen. Und ein ausgelasteter, artgerecht gehaltener, gut geprägter und erzogener Hund ist auch ein idealer Familienhund, denn er ist zufrieden. Nur so rum wird ein Schuh draus!!!! Wenn das die Definition für Familienhund ist, dann gilt das tatsächlich für alle Rassen. Denn diesen Erfordernissen sollten heute eigentlich alle Hunde entsprechen.