Um sie nicht mit einer der üblichen Rassebeschreibungen zu langweilen, die wir wohl alle schon mal gelesen haben, kann ich ihnen hier, mit der freundlichen Erlaubnis von Antje Heller (Outlaw Terrier) eine exzellente Beschreibung zur Rassegeschichte des Parson (Jack) Russell-Terriers zur Verfügung stellen. Es erklärt, warum es heute so viele unterschiedliche Ausprägungen von Hunden gibt, die alle einen Namen tragen und doch nur wenig miteinander gemein haben.

Uns hat dies sehr gut gefallen, weil es sich angenehm abhebt von der, auf vielen HPes zu findenden History, und nicht mit blumigen Worten die Leistungen von John Russell hervorhebt, wie er mit seiner ersten Hündin züchtete, sondern nachvollziehbar macht, worin auch die Probleme einer Rasse liegen, bei der der ursprüngliche Typ, der Unbekannteste von allen ist.


Der Jack Russell Terrier ist eine sehr alte Rasse, deren Wurzeln identisch sind mit denen der heutigen Foxterrier. Genau genommen ist er nichts anderes als der alte working Foxterrier, ist jener Teil der Jack FoxRasse, der parallel zur steten Weiterentwicklung der eigentlichen Foxterrierrasse im Zuge der organisierten Rassehundezucht, fernab der Showringe in den Händen der Working Terrier Men weiter nach alter Tradition gezüchtet wurde, einzig auf Arbeitseignung.

Der jagdbegeisterte und bei der Bevölkerung enorm beliebte Pfarrer (Parson) John Russell, allgemein Jack genannt, war ein begnadeter Hundekenner, der neben erstklassigen Foxhounds auch eine Terrierlinie aufbaute, die den Ruf genoss, die absolut besten Arbeitsterrier hervorzubringen, und zur Unterscheidung von den zunehmend nach Showkriterien gezüchteten Rassevertretern als “Jack Russell`s Terrier” bezeichnet wurde, woraus der allgemeine Name für erstklassige Arbeitsterrier weißer Grundfarbe wurde, die auch nach dem Tod Russells von Arbeitsterrierenthusiasten in ganz England, besonders aber im Süden und Südwesten des Landes, in seinem Sinne weitergezüchtet wurden.johngaunt

Parson Russell gehörte zu den Gründungsmitgliedern des ehrwürdigen Kennel Club, war geschätzter Fachmann und anerkannter Richter. Seine eigenen Terrierlinien ließ er jedoch nicht registrieren und stellte sie auch höchst selten aus. Er begann schon nach kurzer Zeit die Veränderungen in der Rasse zu kritisieren, die zu sehr auf Äußerlichkeiten ausgerichtet waren und die Arbeitseignung zunehmend zunichte machten.Diesem Gedanken folgten nahezu alle Züchter über beinahe zwei Jahrhunderte nach ihm, waren strikt gegen jegliche Anerkennung des Jack Russell Terrier als eigenständige Rasse, weil sie eine damit verbundene History1Showzucht und Vermarktung der Rasse befürchteten, das gleiche Schicksal, das dem Foxterrier widerfahren war. Dies wollten sie um jeden Preis verhindern.

Aus diesem Grund wurde der Jack Russell Terrier und sein Standard, obwohl seit langer Zeit vorhanden, kaum je in irgendeinem Hundebuch erwähnt, blieb außerhalb seiner Heimat lange Zeit unbekannt, obwohl er dort zu den beliebtesten und verbreitesten Arbeitsterriern in den Huntkennels gehörte.

Erst vor etwa 20 Jahren gelangten erste Exemplare als Begleiter englischer Reiter und Pferdeleute auch in viele andere Länder der Welt, so auch nach Deutschland. Dabei handelte es sich in der Regel um nicht sehr rassetypische, meist auch nicht reinrassige Vertreter, um die Nachkommen aus Hunt Kennels ausgemusterter Terrier, die den Anforderungen nicht genügten und an die Farmen und Ställe der Umgebung verschenkt wurden, wo sie sich als Ratten- und Mäusefänger nützlich machten und mit ihrem typischen Humor viele Freunde fanden.

So entstand zunächst ein völlig falsches Bild von der Rasse, deren Namen man nie zuvor gehört hatte. Man hielt die lustigen “Turnierdackel” für typische Jack Russell Terrier, als die man sie ja vorgestellt hatte. Was allerdings daran lag, dass man so ziemlich jeden weiß-bunten Mischling, der sich keiner anderen Rasse zuordnen ließ, als “Jack Russell” bezeichnete. Ähnlich wie hierzulande alles Mittelgroße Stehohrige “Schäferhund” genannt wird, auch wenn es mit der Rasse “Deutscher Schäferhund” zuweilen nur wenig zu tun hat.

Das eigentliche Bild der Rasse wurde erst bekannt, als engagierte Liebhaber die Terrier weiterzüchten wollten und sich auf der Suche nach Informationen und “Zuchtmaterial” auf den Weg nach England machten… Und dort vor einer Überraschung standen. Fortan begannen erbitterte Meinungsverschiedenheiten darum, wie denn nun der echte Jack Russell auszusehen habe. So unterschiedlich war das Bild, das man mit diesem Namen assoziierte. Und nicht nur darum. Die Einen wollten ihn als Jagdterrier erhalten, den Anderen war seine Freude am Jagen ein Dorn im Auge, sie wollten lieber einen lustigen Begleiter ohne derartige Ambitionen. Ein Streit, der bis heute anhält.

Doch damit nicht genug, die nächsten Verwirrungen kamen direkt aus dem Mutterland. Dort nämlich waren nicht mehr alle Züchter mit dem einst vom Parson geäußerten Wunsch – keine Anerkennung – einverstanden. Eine Gruppe von Showenthusiasten wollte ihre Hunde nicht mehr nur auf Working Terrier Shows ausstellen können, sondern auch auf dem Parkett renommierter Rassehundeausstellungen. Es entbrannten heftige Diskussionen innerhalb der traditionellen Jack Russell Clubs, in deren Folge sich einige Mitglieder daraus lösten und den Parson (Jack) Russell Terrier Club of Great Britain gründeten, der einen dem Originalstadard ähnlichen, doch auf wesentlich höhere Einheitlichkeit in Typ und Größe ausgerichteten Standard erstellte und diesen den Kennel Club zur Anerkennung vorlegten. Dem Antrag wurde stattgegeben, nach dem Kennel Club nahm auch die FCI (1991 vorläufig, 2001 endgültig) die Rasse “Parson Russell Terrier” in den Kreis der Rassehunde auf.

So entstanden aus den gleichen Ursprüngen gleich mehrere Rassen: Vor etwa 200 Jahren der Foxterrier, aus nicht typischen Exemplaren und unkontrollierten Kreuzungen die “Reiterjackies”, unter Regie von Kennel Club und FCI der “Parson Russell Terrier”, und im fernen Australien missverstand man den bei Anerkennung des Parson nicht berücksichtigten kleineren Typ der Rasse als “Parson auf kurzen Beinen” und züchtete dort eifrig einen solchen, im Mutterland nicht erwünschten Terriertyp als “Jack Russell”, stellte einen diesem Bild entsprechenden Standard auf und legte auch diesen, mit Unterstützung von Irland als Teil des mit “Großbritannien” angegebenen Mutterlandes, der FCI zur Anerkennung vor. (Anmerkung der Webmasterin: Mittlerweile findet man den Jack Russell Terrier unter der FCI-Standard N° 345 / 09.08.2004 /D mit Rassestandard.)

Und so gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Rassen, die irgendwie irgendwas mit dem Jack Russell Terrier zu tun haben, zum Teil sogar diesen Namen tragen, aber doch in verschiedenen Arten vom eigentlichen Rassebild abweichen.

Jener ursprüngliche alte Arbeitsterriertyp, der tatsächlich über all die Jahre im Sinne des “Namensgebers” gezüchtet wurde, von Arbeitsterrierleuten wie Russell selbst einer war und exakt zu dem Zweck, zu dem auch dieser seine Terrier einsetzte, ist nach wie vor der Unbekannteste von allen, auch wenn sein Name inzwischen in aller Munde ist! Um uns endlose Erklärungen um das Bild der “wahren” Rasse und unsere Zuchtziele zu sparen und um Missverständnissen vorzubeugen, bezeichnen wir diesen Typ, dessen Erhalt wir uns verschrieben haben, entsprechend seiner Heimat, in der er die Wirren der Zeiten im Verborgenen unverändert überstanden hat, als “British Jack Russell”. Auch wenn das keine offizielle Rassebezeichnung ist, weil seine Anhänger nach wie vor der Anerkennung trotzen.

Antje Heller

(Anmerkung: Es ist nicht gestattet diesen Text ganz oder auch nur auszugsweise zu übernehmen – wer Interesse an diesem Artikel hat, wendet sich an Antje Heller / www.outlaw-terrier.de oder die Webmasterin dieser Seiten.)